Bernhard Lengl, LAG:WfbM www.lag-wfbm-bw.de
Klapp-Grill von den Ledder Werkstätten www.ledderwerkstaetten.de
Bierbank-Garnitur von GWW Sindelfingen www.gww-netz.de
Tablett mit auswechselbarem Motiv von den Ledder Werkstätten: www.ledderwerkstaetten.de Die Werkstätten befinden sich in einer Phase des Wandels. Zum einen öffnen sie sich verstärkt nach außen und zum anderen passen sie sich dem wirtschaftlichen Wettbewerb an und professionalisieren und erweitern ihr bereits vielfältiges Produktions- und Serviceangebot. Woher kommt dieser Trend und wie wird er sich in ihren Augen weiterentwickeln?
BL: „Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM) zeichnen sich dadurch aus, dass sie nicht nur Einrichtungen zur Teilhabe am Arbeitsleben sind, sondern mit ihrem Bereich der Produktion schon immer auch Marktteilnehmer waren und sich von daher auch am Markt orientieren mussten und müssen. Und diese Markt-Orientierung bedeutet insbesondere in den letzten Jahren eine klarere Professionalisierung z.B. bei der Qualität der Produkte wie auch bei der Ausweitung des Angebotsspektrums. Dieser Trend wird sich mit Sicherheit nicht nur fortsetzen, sondern sogar noch verstärken und dazu führen, dass dem Endverbraucher von den Werkstätten noch mehr interessante und hochwertige Produkte in hervorragender Qualität zu einem relativ günstigen Preis angeboten werden können.“
Wird es in ein paar Jahren überhaupt noch „traditionelle“ Werkstattarbeitsplätze geben?
BL: „Ich bin mir sicher, dass es auch in Zukunft noch Werkstattarbeitsplätze geben wird, solange nicht ein völlig anderes Modell der Teilhabe am Arbeitsleben für Menschen mit Behinderung eingeführt wird. Aber genau so sicher bin ich mir auch, dass diese „Werkstattarbeitsplätze“ dann zumindest zum Großteil deutlich anders aussehen werden, als viele von ihnen es heute noch sind. Allein die eben skizzierten Trends werden dazu führen wie auch weitere aktuelle Entwicklungen, nämlich Arbeits- und Beschäftigungsmöglichkeiten für Menschen mit Behinderung so flexibel wie möglich und auch außerhalb von Werkstatt-Gebäuden anzubieten. WfbMs haben es in ihrer Entwicklung immer besser gelernt, sich an Markt-Bedürfnissen im weitesten Sinne zu orientieren.“
Das Angebot an Werkstattarbeitsplätzen reicht vom Straßencafe zur Pop&Rock-Musikband bis zum Künstler- und Designer-Arbeitsplatz oder einem Biohof. Gibt es eigentlich einen Service- oder Produktionsbereich, in dem die Werkstätten NICHT tätig sind?
BL: „Theoretisch gibt es erst einmal keinen Bereich, in dem Werkstätten nicht tätig sind oder sein könnten, denn Philosophie der Werkstätten ist es, dass sie „jede Arbeit machen können“. Natürlich gibt es Einschränkungen dort, wo es z. B. um außergewöhnlich hohen Investitionsbedarf oder große Vorlaufleistungen geht. Aber selbst da suchen WfbMs nach Lösungen z. B. durch Kooperationen mit gewerblichen Partnern.”
Oft nimmt man erst auf den zweiten Blick wahr, dass hinter einem Produkt oder Service die Werkstätten für Menschen mit Behinderung stehen. Woher kommt diese Bescheidenheit?
BL: „Das hat überhaupt nichts mit Bescheidenheit zu tun, ganz im Gegenteil. Jede WfbM hat im Sinne von professionellem Marketing eigentlich ein grundsätzliches wie auch vitales Interesse, ihre Produkte und Dienstleistungen unter ihrem Namen zu vermarkten. Nur: ein Straßen-Cafe z. B. kann nicht den Namen tragen ‚City-Cafe der Werkstatt XY für behinderte Menschen‘, sondern heißt kurz und prägnant ‚City-Cafe‘. Dass es sich dabei um ein Angebot einer Werkstatt für behinderte Menschen handelt, steht dann praktisch erst ‚im Untertitel‘ oder sogar ‚im Kleingedruckten‘.“
Was sind in ihren Augen derzeitige Produkte und Serviceleistungen der Werkstätten für Menschen mit Behinderung, die Maßstäbe setzen und eine Vorreiterrolle einnehmen?
BL: „Es sind allgemein gesagt Produkte und Serviceleistungen, die einen wie auch immer gelagerten aktuell individuellen oder gemeinschaftlichen/gesellschaftlichen Bedarf abdecken und dies insbesondere dann, wenn es WfbMs gelingt, dieses Produkt oder diese Serviceleistung möglichst quasi als Alleinstellungsmerkmal anzubieten. Um dies zu erreichen und sicherzustellen, bedienen sich WfbMs auch hier den sonst in der Wirtschaft üblichen Instrumenten wie Patente oder Franchise-Systeme.“