
Noch vor 40 Jahren ist man davon ausgegangen, dass Menschen mit Down-Syndrom (geistiger Behinderung) nicht lesen und schreiben lernen können. In den damals neugegründeten Werkstätten der jungen Bundesrepublik fand diese Vorstellung in Gestalt von einfachen Tätigkeiten ihren Ausdruck. Heute leben und arbeiten Menschen mit Behinderung nahezu ebenso selbständig wie der Rest der Bevölkerung.
In der Bundesrepublik Deutschland gibt es heute etwa 700 anerkannte Hauptwerkstätten für Menschen mit Behinderung mit insgesamt 2300 Standorten, in denen rund 270.000 Beschäftigte mit Behinderung arbeiten. Der Gesamtumsatz der Werkstätten für behinderte Menschen liegt bei über 1 Mrd. Euro pro Jahr.
Gleiche Arbeit an gleichen Maschinen. Gleiche Werkzeuge. Identische Werkstoffe und dieselbe Fachsprache. Gleiche Qualität. Computergestützte Produktionssysteme gehören mittlerweile ebenso zu den Arbeitsangeboten der Werkstätten wie die traditionsreiche handwerkliche Fertigung. Für die Werkstattbeschäftigten ist es selbstverständlich, dass ihre Arbeit auch höchste Qualitätsanforderungen erfüllt. Zuverlässigkeit und Standortdichte machen es ortsansässigen Unternehmen leichter, mit Werkstätten für Menschen mit Behinderung eine wirtschaftliche Kooperation zu pflegen. Auf einer eigenen Messe in Nürnberg präsentieren die Werkstätten jährlich ihre beeindruckenden Produkte und Dienstleistungen für jedermann.
Heute besteht in unserem Land ein flächendeckendes Angebot an Werkstattplätzen. An über 2.300 Standorten haben diese Einrichtungen der beruflichen Teilhabe am Arbeitsleben ein zum Teil hochspezialisiertes Arbeitsangebot für Menschen mit Behinderung entwickelt. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden (Grundgesetz, Artikel 3). Deshalb finden Werkstätten tagtäglich neue Lösungen, um Menschen trotz ihrer körperlichen, kognitiven oder mentalen Besonderheit die Teilhabe am Arbeitsleben zu ermöglichen. Werkstattbeschäftigte werden so zu starken Persönlichkeiten.
Der Wunsch von Menschen mit Behinderung ist es, genauso zu leben und zu arbeiten wie alle anderen Menschen auch. Arbeit bedeutet für sie Integration in die Gesellschaft und Teilhabe am Arbeitsleben. Diese Freude an Arbeit und Leistung spüren auch die Auftraggeber der Werkstätten an der Qualität und Termintreue ihrer Aufträge.