Made by Menschen mit Behinderung!Plädoyer für den Dienst am Menschen
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    Arbeit und mehr

    Zivildienst | Bundesfreiwilligendienst

    Plädoyer für den Dienst am Menschen

    Zivildienst statt Wehrdienst – das war für Andreas Seidel schon lange klar, bevor er seine Einberufung erhielt.

    Seinen Zivildienst leistete er dann in der Zweigwerkstatt der Rhein-Neckar-Werkstätten in Heidelberg-Kirchheim. Hier werden rund 60 Menschen mit chronisch psychischen Erkrankungen beschäftigt, betreut und gefördert.

    Anfangs fiel ihm das frühe Aufstehen schwer. Doch mit der Zeit gewöhnte er sich daran. Sehr zu seiner Freude gehörten viele Fahrdienste zu seinen Aufgaben. Deshalb musste er auch gleich zu Beginn seines Zivildienstes ein Fahrsicherheitstraining absolvieren, was ihm viel Spaß gemacht hat.

    Egal, ob es um das Abholen der Frühstücksverpflegung in der Hauptwerkstatt oder um Auslieferungsfahrten zu Auftraggebern der Werkstatt ging, meistens machte er dies gemeinsam mit den behinderten Beschäftigten. Das schätzte er besonders, weil es ihm Gelegenheit gab, die behinderten Beschäftigten näher kennen zu lernen. Das Entdecken der Persönlichkeit der einzelnen Individuen fand er sehr spannend. „Beim Einlassen auf die Person steht nicht mehr deren Behinderung im Vordergrund, sondern der Mensch. Und der hat die gleichen Bedürfnisse, Wünsche und Ängste wie Menschen ohne Behinderung“, sagt Seidel. Durch die Zusammenarbeit mit den behinderten Menschen fühlt er sich bereichert.

    „Dass mir der Zivildienst mehr bringen könnte, als das Absolvieren einer Pflichtübung, hätte ich anfangs so nicht für möglich gehalten. Durch diese Erfahrungen habe ich gelernt, mich gut zu organisieren und auch in Stresssituationen einen kühlen Kopf zu behalten. Und vor allem habe ich in puncto Sozialkompetenz viel gelernt: auf andere Menschen zuzugehen, auf sie einzugehen aber mich auch, wenn notwendig, abzugrenzen. Ich bin routinierter im Gespräch mit anderen Menschen geworden. Dass ich andere durch ein Gespräch aufbauen kann und das Gespräch mit mir Gewicht für sie hat, ist eine sehr wertvolle Erfahrung für mich. Das hat mich noch selbstbewusster gemacht. Heute habe ich keine Berührungsängste mehr vor Menschen mit Behinderung. Ich begegne ihnen offen und mit einem anderen Verständnis“, ergänzt Seidel.

    Deshalb findet er es bedauerlich, dass der Zivildienst jetzt entfällt, weil dieser Dienst nicht nur im Bereich der Sozialkompetenz ein großes Lernfeld bietet. „Durch den Zivildienst oder einen freiwilligen sozialen Dienst kommt man auch in Tuchfühlung mit dem Arbeitsleben. Wenn man dann nach dem Studium ins Berufsleben einsteigt, hat man wenigstens schon eine Vorstellung, was einem erwartet und ist nicht völlig unbeleckt“, gibt Seidel zu bedenken. Auch aus diesem Aspekt heraus würde er ein verpflichtendes soziales Jahr für beide Geschlechter sehr begrüßen.